Was bedeutet Achtsamkeit für uns?

Unsere kleine Hommage an die Achtsamkeit

Petra Dallmann

Ehemalige Leistungssportlerin, Sportpsychiaterin
„Ich schaffe es immer öfter mal ein gedankliches „Stopp“ einzulegen und mich auf meine Wahrnehmung zu konzentrieren; der Anblick des Neckartals wenn ich über die Brücke fahre, wirklich jedes Mal anders, der Druck auf meinem Körper wenn mich meine Tochter umarmt, die Anspannung in meinen Händen, Wasser am Körper…. Es geht einfach, kostet keine Zeit, und dieser Mini-Moment des Innehalten tut mir gut, aber ich bin ehrlicherweise auch oft frustriert wie selten ich daran denke…..“

Petra Johns

Therapeutin, Geschäftsführerin des Institute for Compassion Heidelberg
„Achtsamkeit hat viele Facetten. Für mich am bedeutsamsten ist dabei die Fähigkeit, mich und meine Umwelt immer feiner wahrnehmen zu können. Als - möglichst ständiger - Beobachter, mich selbst (also meine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen) und auch die Geschehnisse um mich herum in ihrer Feinheit zu registrieren. Am besten, ohne sie gleich bewerten zu müssen. Das heißt in der Konsequenz auch – und das ist wohl der eigentliche Nutzen dabei – dass ich eine distanzierte Haltung zum Geschehen einnehmen kann und somit nicht auf alles, was passiert, reagieren muss.

Zwischen einem Reiz und meiner Reaktion darauf gibt es eben diesen kleinen Raum. Wenn ich den zu erkennen vermag, habe ich die Wahl zu reagieren oder eben auch nicht zu reagieren. Oder anders zu reagieren als sonst. Das ist eine enorme innere Freiheit, die für viel innere Ruhe und Gelassenheit und resultierend auch einen besseren körperlichen Zustand sorgen kann. Ich bin dann auch nicht mehr ausgeliefert – weder meinen eigenen zahllosen Gedanken noch den Bewertungen oder Manipulationen durch mein Umfeld oder auch unerwarteten Ereignissen gegenüber.

Ich möchte hier nicht behaupten, dass mir das alles immer gelingt. Aber ich habe die wundervolle Erfahrung gemacht, dass man sich tatsächlich eine achtsame Haltung aneignen und dadurch viel Lebensqualität gewinnen kann. Dies ist dann auch in der Konsequenz nicht mehr zu trennen von einem liebevolleren Umgang mit sich selbst und darüber hinaus auch mit anderen Menschen, mit Tieren, mit der Natur, etc.. Für mich sind Achtsamkeit und Mitgefühl im Grunde ganz natürliche Eigenschaften – kleine Kinder machen uns das vor. Wir Erwachsenen haben diesen eigentlich so einfachen Zustand in den meisten Fällen leider im Laufe unseres Lebens verloren und müssen dann später Kurse besuchen und üben, um ihn uns wieder in Erinnerung zu rufen. In meinen Augen lohnt sich das sehr und macht uns und in der Summe auch die Welt schöner, gesünder und friedlicher.“ 

Brit Wilsdorf 

Ehemalige Leistungssportlerin, Sportpsychologin, Psychotherapeutin
„Für mich ist Achtsamkeit im Laufe der Zeit immer mehr zum täglichen Begleiter und einer Haltung geworden und hilft mir dabei, sowohl im Beruflichen als auch Privaten mehr mit mir, meinen Mitmenschen und meiner Umgebung in Kontakt zu sein. Das äußert sich bei mir beispielsweise darin, dass ich regelmäßiger esse, Pausen mache und diese auch als Erholung genießen kann, mich mehr auf Gespräche einlasse, ohne parallel to do´s durchzugehen, die Natur beim Sporteln oder die herzlichen Umarmungen meiner Tochter mehr wahrnehme, spüre und für mich einspeichere.

Übergreifend gesagt sehe ich Achtsamkeit mittlerweile als Basis aller Fertigkeiten an, denn erst, wenn ich wahrnehme, wie es mir geht und wie sich die Situation um mich herum gerade gestaltet, kann ich entscheiden, was gerade wirklich wirkungsvoll und wichtig hinsichtlich meiner Ziele und Werte ist – und das ist ja auf alle Lebensbereiche und Kontexte übertragbar.

Ich habe durch Achtsamkeit und durch einen größeren Fokus auf Erholung auch gelernt, nicht auf alle Anforderungen gleich aufzuspringen, in Aktionismus zu verfallen und mich für alles verantwortlich zu fühlen, sondern mir die Zeit zu nehmen Dinge abzuwägen. Ich nehme mir mehr regelmäßig eingeplante Auszeiten zur Entschleunigung und Selbstfürsorge und bin dankbarer für die Geschenke des Lebens. Ich merke, dass ich durch diese Haltung viel zufriedener, gelassener und in mir Ruhender geworden bin. Ich kann dadurch besser mit Stresssituation umgehen, bin leistungsfähiger und habe auch mehr Energie, die ich an meine Umwelt weitergeben kann. Wie ich finde also ein sehr lohnender Ansatz, der mal besser und mal schlechter in der Umsetzung klappt 😉.“