Verhaltensstörungen durch Alkohol und Drogen

Hiermit werden alle Störungen erfasst, welche durch den Konsum legaler (Alkohol, Tabak, Koffein, Medikamente, flüchtige Lösungsmittel) und illegaler Substanzen (Opioide, Cannabinoide, Halluzinogene, Stimulanzien wie Amphetamine, Kokain, MDMA oder Methamphetamin) verursacht werden: Akute Intoxikationen, schädlicher Gebrauch, Abhängigkeitssyndrome und Entzugssyndrome.
Ein schädlicher Gebrauch liegt dann vor, wenn der Substanzkonsum zum Vorliegen eines körperlichen oder seelischen Schadens führt.
Ein Abhängigkeitssyndrom nach ICD-10 ist gekennzeichnet durch mindestens drei der folgenden sechs Symptome, welche über einen Zeitraum von zwölf Monaten wiederholt aufgetreten sein müssen:

• Starkes Verlangen nach dem Suchtmittel
• Verminderte Kontrolle über den Substanzgebrauch (Beginn, Beendigung, Menge)
• Körperliches Entzugssyndrom bei Reduktion des Konsums
• Toleranzentwicklung
• Einengung des Verhaltens auf den Substanzgebrauch
• Anhaltender Konsum trotz nachweislicher körperlicher Schäden

Sportspezifik

Beispiele für sportspezifische Ausprägungen von Substanzmissbrauch sind die prophylaktische Schmerzmitteleinnahme und Doping. Diese lassen sich eher dem schädlichen Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen zuordnen. Hierbei werden legale Substanzen, meistens Medikamente, mit dem Ziel der Leistungserhaltung oder -steigerung, anders oder in höherem Maße eingenommen, als es ihre Zulassung vorsieht. Dabei werden mögliche Folgeschäden wie Nierenfunktionsstörungen bei übermäßiger Schmerzmitteleinnahme oder langfristige Schädigungen durch Doping in Kauf genommen.

Bei dem Konsum von Substanzen überwiegt im aktiven Leistungssport der Missbrauch von Alkohol gegenüber anderen Drogen. Rice et al. (2016) fanden zudem eher ein Binge-Muster von Alkoholkonsum in Abhängigkeit der Saisonphase. Mit dem Karriereende kann sich das Konsumverhalten aber ändern und mit weiteren schädlichen Substanzen erweitert werden. Einen problematischen Alkoholkonsum zeigten 19 % der Fußballspieler und 32 % der ehemaligen Fußballspieler[1]
Quellenangaben 
[1] Gouttebarge, V., Frings-Dresen, M. H. W., & Sluiter, J. K. (2015). Mental and psychosocial health among current and former professional footballers. Occupational medicine.