Somatoforme Störungen

Der Körper und die Psyche stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander. Dass Gefühle und psychische Belastungen Auswirkungen auf den Körper haben können, ist normal und kommt bei jedem gesunden Menschen vor.
Menschen, die unter einer somatoformen Störung leiden, reagieren auf Stress, Druck und kritische Lebensereignisse mit starken körperlichen Symptomen, für die bei fachärztlichen Untersuchungen häufig keine ausreichende körperliche Ursache gefunden werden kann.
Die Betroffenen sind oft von einer körperlichen Ursache ihrer Beschwerden überzeugt, auch wenn jede Diagnostik ohne Befund ist. Auch kann es sein, dass einzelne körperliche Einflussfaktoren gefunden werden können, doch diese nicht das Ausmaß der Beschwerden erklären. Die Folge davon ist, dass sich die betroffene Person sehr viel mit den Symptomen beschäftigt und nicht selten einen „Ärztemarathon“ absolviert, Medikamente einnimmt oder sich sehr schont. Betroffene und ihr Umfeld können sehr darunter leiden.

Die Symptomatik von Personen mit somatoformen Störungen kann sich vielfältig zeigen: Verschiedenste Beschwerden können auftreten, die mit erheblichem Leid, Sorgen und Funktionsschwierigkeiten im Alltag einhergehen. Betroffen sein können einzelne oder mehrere Organe auf einmal (z.B. Herz-Kreislauf, Lunge, Magen-Darm-Trakt, Haut). Auch Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Knochen, unspezifischen Regionen oder Organen sind häufige Symptome. Die Beschwerden dauern über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten an.

Wichtig ist uns herauszustellen, dass es sich hierbei nicht um simulierte oder eingebildete Symptome handelt; die körperlichen Beschwerden sind so vorhanden, wie sie beschrieben werden. Sie können nur nicht rein körperlich erklärt werden. Da körperliche Ursachen für die Symptomatik auch mit angemessener Untersuchungsmethoden nicht bestätigt werden können, wird davon ausgegangen, dass vielfältige psychische Faktoren bei der Entstehung, Auslösung und Aufrechterhaltung eine wichtige Rolle spielen.

Aber was genau kann zur Entstehung von somatoformen Störungen beitragen? Nach dem Modell der somatosensorischen Verstärkung kann eine starke Aufmerksamkeitsfokussierung auf körperliche Vorgänge zu einer verstärkten Wahrnehmung von Symptomen führen. Es kann dabei z.B. vorkommen, dass Betroffene eigentlich „normale“ körperliche Symptome fälschlicherweise als Zeichen einer schweren Krankheit (z. B. bei Herzklopfen nach dem Treppensteigen: „Ich könnte einen Herzinfarkt bekommen“) interpretieren und „katastrophisieren“. Dies wiederum führt zu Angst und damit einem Ausstoß von Stresshormonen, womit erneut körperliche Symptome provoziert werden (z. B. noch stärkeres Herzklopfen).

Die betroffene Person richtet daraufhin die Aufmerksamkeit auf diese stärker werdenden körperlichen Empfindungen, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Unbefriedigende ärztliche Vorstellungen und ein zunehmendes Vermeidungsverhalten mit körperlicher Schonung können dann zusätzlich das verstärkte Auftreten körperlicher Symptome begünstigen und die Symptomatik aufrechterhalten. Hinzukommen kann zudem ein unrealistischer Gesundheitsbegriff, z.B. die Überzeugung, dass ein gesunder Körper keine Beschwerden haben dürfe. Außerdem haben manche Menschen Schwierigkeiten, ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken und nehmen stattdessen eher ihre „Wut im Bauch“ oder „den Kloß im Hals“ war, ohne dass das dazugehörige Gefühl wahrgenommen oder benannt werden kann.

Zu den somatoformen Störungen zählen die Somatisierungsstörung, die Schmerzstörung und die hypochondrische Störung.

Weitere Informationen sowie Tipps für das Umfeld findest Du hier.

Sportspezifik

Auch im Sportsetting ist es häufig sozial akzeptierter, Überbelastungen vorrangiger über körperliche, anstatt über psychischen Symptomen auszudrücken, woraus sich schnell ein eher somatisches statt eines psychosomatischen Krankheitsverständnis etabliert. Auch können meist unbewusste sekundäre Krankheitsgewinne körperlicher Symptome eine Rolle spielen. So sind schlechte Leistungen oder ein Karriereende aufgrund körperlicher Beschwerden gut zu erklären und werden von anderen meistens als plausible Erklärung angenommen.
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